Stick-Setup

Über die Jahre habe ich viele Setup-Varianten für die Sound-Bearbeitung und Verstärkung des  Sticks ausprobiert, angefangen bei den üblichen Bodentretern, über Multieffektgeräte (sehr lange z.B. BOSS SE70 x 2) bis hin zur reinen Bearbeitung im Notebook mit Audiointerface und Native Instruments Guitar Rig.

Wichtig war mir dabei in jedem Fall die Möglichkeit die Pickup-mäßig getrennten Sektionen (Melody/Bass) getrennt, aber auf Wunsch auch zusammen bearbeiten zu können. Davon abgesehen, sollte das Equipment nicht zu umfangreich und schwer sein. Am komfortabelsten war zugegebenermaßen die Lösung mit Notebook und Guitar Rig, die man heute auch bei einigen anderen Stick-Spielern sieht. Ich habe das selbst auch längere Zeit so gemacht, aber mir fehlte etwas der direkte Zugriff auf Parameter, denn ich drehe live gerne auch mal ein bisschen an den Geräten.

hd500xLine6 HD500X

Vom Hersteller Line6 hatte ich schon früher POD-Modelle im Einsatz da diese oft zweikanalig ausgelegt waren und sich so recht gut für den Stick eigneten. Aktuell fungiert daher auch ein Line6 HD500X als „Hub“ für mein gesamtes Stick Setup. Das HD500X bietet dabei im Prinzip schon selbst eigentlich alles was man als Stick-Spieler so brauchen könnte: Gitarren/Bass-Amp-Simulationen, verschiedenste wirklich gut klingende Effekte, bis hin zu brauchbaren Gitarren-Synthesizern (wenn auch monophon), fast frei anzuordnen in zwei getrennten Signalpfaden und schlußendlich sogar einen Looper. Für kleinere Sessions wo ich nicht viel mitnehmen möchte, ist damit für den Stick eigentlich alles abgedeckt was ich so brauche. Was fehlt, ist natürlich – ähnlich Guitar Rig – noch der direkte Zugriff. Aus diesem Grund habe ich dieses Setup noch um einen zusätzlichen Effekt-Koffer ergänzt, der mir speziellere Effekte in teilweise deutlich höherer Effekt-Qualität und mit direkten Zugriff bietet: Das HD500X bietet die Möglichkeit einen Effekt-Loop für externe Effekte an einer beliebigen Stelle im Signalpfad einzuschleifen, so dass ich ggf. die externe Effektkette nur für den Melody-, den Bass-Bereich,  für beide Bereiche oder auch komplett  aus dem Signalpfad rausnehmen kann. Mein Effektkoffer besteht aus den nachfolgenden Geräten:

microsynth

 Electro Harmonix Micro Synthesizer

Der Micro Synthesizer ist mehr oder weniger schon ein alter Klassiker und wurde schon von vielen Gitarristen und Bassisten eingesetzt.

Der Name führt dabei etwas in die Irre, denn im Prinzip handelt es hier eher um eine Art Verzerrer mit nachgeschalteten Filter und einer durch das Audiosignal getriggerte, einfache regelbare Hüllkurve, so dass es z.B. möglich ist, den Ton damit Violinen-artig sanft einschwingen zu lassen. Ebenso möglich sind Robert Fripp-artige Sounds uvm.. Ich liebe das Teil jedenfalls so wie es ist.

 In Native Instruments Guitar Rig gibt es übrigens eine relativ gute Simulation davon, aber mir gefällt das Original noch etwas besser.

HOGElectro Harmonix HOG (Harmonic Octave Generator)

Der HOG ist noch etwas spezieller und im Prinzip eine Art Pitch Shifter der je zur generierten und in der Lautstärke regelbaren Originaltonhöhe, zwei getrennt regelbare Oktaven unter der Original-Tönhöhe, drei getrennt regelbare Oktaven über der Original-Tönhöhe, ergänzt durch regelbare Quarten der hohen Oktaven, erzeugen kann. Die untersten und obersten fünf durch den Pitchshifter erzeugten Töne sind jeweils gruppiert und können mit  einer anderen Hüllkurve versehen werden. In der Praxis bedeutet das, dass die obersten fünf Töne z.B. später einschwingen können, wie die unteren  Töne. Hinter allem liegt noch ein resonanzfähiges Filter, sodass der HOG auch Synthesizer-artig klingen kann. Sind alle Töne aktiv, klingt es allerdings eher Orgel-ähnlich.

In verschiedenen Modi ist das Verhalten des HOG verschieden und mittels Pedal können unterschiedliche Parameter gesteuert werden, im einfachsten Fall der Cutoff des Filters (Wah Wah) oder auch ein stufenloser Pitchshift (Whammy). Der Freeze-Modus erlaubt es die generierten Töne mit dem Pedal einzufrieren, womit der HOG schöne statische, teilweise Harmonium-artige Sounds erzeugen kann. Regelt man im Freeze-Modus das Pedal leicht herunter, werden aufeinander gespielte Töne Portamento-artig zueinander gezogen. Der HOG ist wirklich nicht leicht zu erklären, ermöglicht aber sehr ungewöhnliche Sounds.

Electro Harmonix Stereo Memory Man with Hazarai (MMWH)

Was ein bekloppter Name für ein Effektgerät 😉 Aber der MMWH ist ein eher ungewöhnliches Digital-Delay mit eingebautem Stereo-Looper, den ich schon recht lange für unterschiedlichste Anwendungen (auch Synths) verwende. Im Gegensatz zum Strymon Timeline Delay das ich zuvor genutzt hatte und das mit Möglichkeiten überfrachtet war, gefällt mir beim MMWH die einfache Bedienung, die aber trotzdem gerade live viele kreative Möglichkeiten bietet. Von einfachen, schönen Modulations-Delays (als dem typischen Memory Man Sound) bis zu Resonatoren, lauter werdende Tap-Delays, Reverse Delays geht einiges und in fast allen Algorithmen besteht zudem die Möglichkeit alles in einem bis zu 30 Sekunden langen Stereo-Loop festzuhalten und darüber beliebige Overdubs zu machen auch wenn man den Delay-Algorithmus wechselt. Lediglich das typische Verhalten von Tape Delays geht mit dem MMHW leider gar nicht, aber damit kann ich ganz gut leben.


Strymon BigSky

Dazu muss man wohl gar nicht so viel sagen, denn Strymon-Effekte sind derzeit wirklich in allen fast allen Effektboards zu finden. Für mich bietet das Big Sky die wohl edelsten, schönsten Hall-Effekte, die es derzeit gibt und das klanglich mindestens auf dem Niveau von Eventide Studio Hardware. Zuckersüße Ambient-Wölkchen, weiche, weite Pads – alles kein Problem. Einziger Haken: Mir klingt es manchmal schon zu schön und jedes einfache Thema klingt plötzlich nach Coldplay.

Mit dem aktuellen Stick-Setup bin ich mehr oder weniger „angekommen“ und neues Equipment reizt mich nicht mehr so sehr, denn dieses Setup klingt richtig gut, ist vom Umfang noch klein genug um nicht alles in eine endlose Schlepperei ausarten zu lassen und zudem skalierbar (HD500X reicht zur Not auch mal).